Florian Kobler
sorgt sich um den Mangel an altersgerechten Wohnungen im Kanton.
David Holenstein präsentierte sich der Andwiler Bevölkerung. tb
Am Donnerstag präsentierte sich David Holenstein der Andwiler Bevölkerung. Da er als Einziger für das Amt des Gemeindepräsidenten kandidiert, ist seine Wahl am 8. März reine Formsache. Und doch oder gerade deswegen wurden bei der Präsentation auch kritische Stimmen laut.
Andwil Nachdem Kurt Vogt als Präsident das Vorgehen der Findungskommission erklärt und sich David Holenstein vorgestellt hatte, war die Reihe an den Bürgerinnen und Bürgern. Findungskommission, Gemeinderat und Holenstein selbst mussten sich kritischen Fragen stellen. «Weshalb erhalten wir keine echte Wahl? Viele von uns können sich nur schwer vorstellen, dass unter den Kandidierenden keine zweite geeignete Person war. Zu einer Demokratie gehört eine Auswahl», lautete ein Votum zuhanden der Findungskommission. «Weshalb habt ihr festgelegt, dass sonst niemand kandidieren darf?», ein anderes. «Weshalb hat man es Marc Schäfer untersagt, seinen Abschiedsbrief im Andwiler publizieren zu dürfen», fragte ein Anwesender an die Adresse des Gemeinderats. Und David Holenstein sollte unter anderem erklären, wie die Liebe zum Papst und die «Fremdenfeindlichkeit der SVP» zusammenpassen. Weiter wurde der Kandidierende gefragt, wie er sich das vorstellt mit dem Lebensmittelpunkt in Andwil, während seine Familie im Kanton Bern lebt, ob er politische Ambitionen bezüglich eines Kantonsratsamtes hegt, wie er zur Fusionsfrage mit der Gemeinde Gossau steht, welche Herausforderungen er für die Gemeinde Andwil sieht und ob er ein politisches Vorbild hat.
In seiner Vorstellung hielt Holenstein fest, er fühle sich als Fürstenländer. Er sei in Magdenau aufgewachsen und Andwil habe ihm schon seit jeher gut gefallen. «Es ist ein wunderschöner Flecken und perfekt erschlossen. Sie sind privilegiert, dürfen Sie hier leben», sagte der 48-Jährige. Er sei der Liebe wegen nach Bern gezogen, aber ein Heimweh-Ostschweizer, erzählte der Vater von drei Söhnen. Als Hobbies nannte er Schwimmen und Biken im Sommer sowie Wintersport in der kalten Jahreszeit. Weiter berichtete er von seiner Zeit in der Schweizer Garde und davon, bereits vier Päpste persönlich getroffen zu haben. Für die Gemeinde seien ihm gesunde Finanzen und ein starkes Gewerbe wichtig. Von der Verwaltung erwarte er, dass diese dienstleistungsorientiert handle, schliesslich erhielten die Mitarbeitenden die Löhne von den Steuerzahlerinnen und Steuerzahlern. Er bringe über 25 Jahre Erfahrung in unterschiedlichen Funktionen in der Verwaltungstätigkeit mit, sei kommunikations- und verhandlungsstark und mit einer hohen Sozialkompetenz ausgestattet. Ausserdem sehe er sich als Problemlöser und sei offen für Anregungen aus der Bevölkerung.
Kurt Vogt hatte einleitend den Findungsprozess in Erinnerung gerufen. Die Findungskommission habe je zwei Mitglieder aus den drei Ortsparteien Mitte, SVP und FDP enthalten und sei bei der Sichtung der Dossiers von Thomas Scheitlin, dem ehemaligen St.Galler Stadtpräsidenten, unterstützt worden. Aus den neun eingegangenen Bewerbungen habe dieser eine Shortlist erstellt mit Personen, die infrage kamen. Die Analyse habe für Holenstein gesprochen und so habe ihn die Findungskommission zum Hearing eingeladen. Dieser habe unter anderem auch klare Lohnvorstellungen mit 160'000 Franken für das 80-Prozent-Pensum gestellt. Da er bei seiner aktuellen Tätigkeit für die Gemeinde Köniz vier Monate Kündigungsfrist habe, werde er sein Amt erst im August antreten können, führte Vogt weiter aus – «Regula Umbricht muss noch so lange durchhalten.»
Zurück zu den Fragen aus dem Publikum beziehungsweise zu deren Beantwortung. «Das Profil war so klar und die Differenz zum nächstbesten Kandidaten so gross, dass wir uns für eine Einerkandidatur entschieden haben. Für die Stimmbürger ist es schwierig, bei der Eignungsabklärung so in die Tiefe zu gehen, wie wir das getan haben», erklärte Vogt zur Frage nach der fehlenden Auswahl. «Nominiert man zwei Kandidaten, besteht die Gefahr, dass niemand oder die weniger geeignete Person gewählt wird», so Vogt. Dass keine andere Person habe kandidieren dürfen, verneinte der Präsident der Findungskommission. Er habe lediglich klar gesagt, dass sich die drei Parteien in der Findungskommission einigen und dann diesen Vorschlag stützen sollen. David Holenstein ergänzte, er habe damit gerechnet, dass eine der anderen acht Personen, die sich beworben hatten, auch ohne Empfehlung der Findungskommission zur Wahl antrete.
Die Frage, weshalb man Marc Schäfers Brief nicht habe abdrucken wollen, beantwortete Interimspräsidentin Regula Umbricht. Schäfers Schreiben habe in einem Abschnitt sehr undifferenzierte Vorwürfe enthalten, weshalb man ihn gebeten habe, diesen Teil zu präzisieren, was der im letzten Sommer zurückgetretene Gemeindepräsident aber abgelehnt habe. Auch habe er sich nicht zu einem Gespräch mit dem Gemeinderat bereit erklärt, so dass man die Rücktrittsgründe nicht habe einordnen können.
David Holenstein erklärte auf den Einwand, seine Partei passe nicht zum Dienst in der päpstlichen Garde, er mache bürgerliche Politik und die SVP sei in Bern eine staatstragende Partei mit tiefer Verwurzelung. Zum Lebensmittelpunkt erklärte er, in der Schweiz seien wir ausserordentlich verwöhnt. Seine frühere Freundin sei in Barcelona täglich zweieinhalb Stunden zur Arbeit gependelt. Ausserdem fahre er gerne Zug und dank des 80-Prozent-Pensums habe er die nötige Flexibilität. «Ich muss ohnehin nach Andwil ziehen. So bezahle ich 60 Prozent weniger Krankenkassenprämie und 50 Prozent weniger Steuern», fügte er mit einem Augenzwinkern an und hatte die Lacher damit auf seiner Seite. Auf die Frage nach den politischen Ambitionen bezüglich eines Kantonsratsamtes blieb Holenstein vage. Grundsätzlich begrüsse er es, dass im Kanton St.Gallen verschiedene Gemeindepräsidenten auch Mitglieder im Kantonsrat seien. Zu einer möglichen Gemeindefusion meinte der zukünftige Gemeindepräsident, Andwil müsse aus seiner Sicht möglichst lange selbstständig bleiben – dies gelinge mit einer starken Verwaltung. Als Herausforderungen nannte Holenstein den steigenden Finanzbedarf in allen Gemeinden und die Gestaltung der schulischen Strukturen mit der Schulgemeinde Andwil-Arnegg. Als politisches Vorbild nannte er alt Bundesrat Adolf Ogi.
Von Tobias Baumann
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