Florian Kobler
sorgt sich um den Mangel an altersgerechten Wohnungen im Kanton.
Die Stadtwerke Gossau und die St.Gallisch-Appenzellischen Kraftwerke AG (SAK) stellen ihr gemeinsam geplantes Fernwärmenetz im Mettendorf ein. Der Entscheid fiel nach Abschluss eines Vorprojekts, das Ende Dezember 2025 fertiggestellt wurde und als Grundlage für die Investitionsentscheidung diente. Das Ergebnis war eindeutig: Ein wirtschaftlich tragfähiger Betrieb wäre nicht möglich gewesen.
Fernwärme Seit 2024 hatten die Stadtwerke Gossau gemeinsam mit der SAK untersucht, ob im Gebiet Mettendorf ein Fernwärmenetz realisiert werden könnte. Vorgesehen war, die Abwärme aus lokalen Industrieprozessen aufzubereiten und über eine Wärmeleitung vom Industriegebiet ins Wohnquartier zu leiten. Geplant war eine jährliche Wärmelieferung von 10,8 Gigawattstunden.
Obwohl die technischen Voraussetzungen grundsätzlich erfüllt gewesen wären, zeigte das Vorprojekt erhebliche wirtschaftliche Hürden. Für die Wärmeaufbereitung hätte eine Energiezentrale mit Wärmepumpe sowie ein Erdsondenfeld zur Speicherung der Sommerabwärme gebaut werden müssen. Gegenüber der ursprünglichen Machbarkeitsstudie sind die Investitionskosten deutlich gestiegen. Erschwerend kam die lange Leitungsführung zwischen Abwärmelieferant und Wärmeabnehmern hinzu, die das Projekt zusätzlich verteuerte. «Ein wirtschaftlich tragfähiger Wärmeverbund hätte Preise für Kundinnen und Kunden deutlich über dem Durchschnitt erfordert. Deshalb hat das Projektteam dem Stadtrat den sofortigen Projektabbruch empfohlen», sagt Martin Künzler, Projektleiter Wärme bei den Stadtwerken Gossau. Der Stadtrat folgte dieser Empfehlung. Auch vonseiten der SAK wird der Entscheid bedauert, aber als notwendig erachtet. «Natürlich bedauern wir es, das Projekt abbrechen zu müssen. Die wirtschaftliche Tragfähigkeit mit konkurrenzfähigen Preisen ist jedoch zentral, um ein Wärmenetz erfolgreich zu führen», sagt Adriano Tramèr, Mitglied der Geschäftsleitung SAK. Grundeigentümerinnen und Grundeigentümer im Mettendorf haben weiterhin die Möglichkeit, auf CO2-neutrale Alternativen wie Erdsonden oder Luft-Wasser-Wärmepumpen zu setzen. Der Projektabbruch im Mettendorf bedeutet keinen generellen Rückzug der Stadtwerke Gossau aus dem Bereich Wärme. Bereits im Bau befindet sich der Grundwasserwärmeverbund Buechenwald, der künftig verschiedene Anlagen der Sportwelt Gossau mit Wärme und Kälte versorgen wird. Zusätzlich wird derzeit ein Wärmeverbund im Zentrum des Kerngebiets geprüft. Der aktuelle Entscheid zeige laut den Stadtwerken, dass Wirtschaftlichkeit und Investitionspriorisierung bei jedem Projekt sorgfältig geprüft würden – und dass unterschiedliche Ausgangsbedingungen zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen führen könnten.
pd
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