Florian Kobler
sorgt sich um den Mangel an altersgerechten Wohnungen im Kanton.
Rund 160 Personen folgten der Einladung von Stadt und Kanton und liessen sich über das Kantonsstrassenprojekt informieren. Dieses soll dereinst durch eine Direktverbindung eine spürbare Verkehrsentlastung der Wiler- und Flawilerstrasse bringen. Verschiedene Varianten wurden eingehend geprüft und eine Bestvariante erkoren.
Fürstenlandsaal Der Dämpfer für alle, die sich durch eine Spange West zeitnah eine deutliche Verkehrsentlastung für die Wiler-, Geren- und Flawilerstrasse erhofften, kam früh. «Wir reden für die Westspange von einem Zeithorizont von 20 bis 25 Jahren», erklärte Stadtpräsident Wolfgang Giella in seinen Ausführungen zu Beginn der Informationsveranstaltung. Einen noch herberen Dämpfer mussten all jene hinnehmen, die sich durch die zusätzliche Verkehrsverbindung zwischen Wiler- und Flawilerstrasse eine Zentrumsentlastung erhofften. Wolfgang Giella und Pascal Hinder, Leiter Verkehrsplanung beim Tiefbauamt Kanton St.Gallen, erklärten unisono, dass die Spange West dies nicht leisten kann. Eine deutliche Entlastung würde eine Spange West dagegen für den Planungsperimeter bringen. Gemäss den Analysen im Verkehrsmodell würde der Verkehr an der Wilerstrasse um rund einen Viertel abnehmen, auf der Flawilerstrasse wären es gut 40 und auf der Gerenstrasse sogar gut 80 Prozent Verkehrsabnahme, wie Hinder ausführte.
Der Leiter Verkehrsplanung des Kantons zeigte den rund 160 Besucherinnen und Besuchern im vollbesetzten Fürstenlandsaal auf, dass aus ursprünglich 13 Varianten nach der Grobbewertung sechs übrigblieben, die auf ihre Machbarkeit untersucht und einer Kosten-Nutzen- und einer Kosten-Wirksamkeitsanalyse – für die nicht zu monetarisierenden Faktoren – unterzogen wurden. «Da keine Variante in beiden Untersuchungen einen positiven Wert aufwies, haben wir eine Vertiefung der teilweise positiven Varianten vorgenommen», erklärte der Leiter Verkehrsplanung.
Dabei sei der Einfluss auf die Landschaft und die Landwirtschaft vertieft geprüft worden. Das Ergebnis der Zweckmässigkeitsbeurteilung nach vom Astra bestimmten Nachhaltigkeits-Indikatoren für Strasseninfrastrukturprojekte habe schliesslich die Variante 11 als Bestvariante hervorgebracht. Entsprechend würden der Gossauer Stadtrat und das kantonale Tiefbauamt diese Variante empfehlen, die vom Eichenkreisel bis weit südwestlich der Flawilerstrasse führt, und damit deutlich länger ist als die anderen Varianten mit positiven Werten in der Kosten-Nutzen-Analyse.
«Die Spange West wäre in dieser Form 1,4 Kilometer lang. Vorgesehen wäre eine Fahrbahnbreite von 7,3 Meter und zusätzlich ein Fuss- und Veloweg, der auch vom landwirtschaftlichen Verkehr genutzt werden könnte», erklärte Hinder. Die Kosten würden auf 17,8 Mio. Franken geschätzt, wobei bei der «hohen Flughöhe» einer Zweckmässigkeitsbeurteilung die Kostenungenauigkeit mit +/- 30 Prozent gross sei. Den Landverbrauch bezifferte Hinder auf 12'500 Quadratmeter, wobei dieser 4'800 Quadratmeter Fruchtfolgeflächen beinhalten würde. Diese gelten als wertvollste Agrarflächen und sind innerhalb einer Gemeinde zu kompensieren. Für den Planungsperimeter Wiler-, Geren- und Flawilerstrasse würde die Spange West «weniger Lärm, bessere Luft und das Potenzial für eine Innenentwicklung bieten», führte Hinder aus. Aktuell sind gewisse Bauprojekte an der Wilerstrasse nicht bewilligungsfähig, da die Aufnahmekapazität der Strasse erschöpft ist.
Zum Zeitplan erklärte Hinder, dass ab 2027 das Vorprojekt erarbeitet werden soll. Dort würden die Gestaltung und die flankierenden Massnahmen ausgearbeitet sowie die Kosten ermittelt. Für 2030 stellte der Leiter Verkehrsplanung eine Volksabstimmung über das Projekt in Gossau in Aussicht. Bei einem Ja käme das Projekt anschliessend in den Kantonsrat. Dort unterstünde es dem fakultativen Referendum. Erst danach käme es zu einem Auflageverfahren, das sich aufgrund von Einsprachen über viele Jahre hinziehen könnte. «Deshalb haben wir auf der Zeitachse ab 2030 keine Zahlen mehr eingesetzt. Wir kennen andere Projekte, bei denen der Landerwerb zehn Jahre in Anspruch genommen hat», so Hinder.
Bis die Anwohner in diesem Perimeter eine Entlastung erfahren und die Innenentwicklung an der Wilerstrasse wieder aufgenommen werden kann, dürften also noch viele Jahre ins Land ziehen. Stadtpräsident Wolfgang Giella hatte denn auch eingangs erklärt, dass die Ergebnispräsentation der Zweckmässigkeitsbeurteilung des Kantons zur Zentrumsentlastung von Gossau 2017 an seinem ersten Stadtapéro als neuer Stadtpräsident sehr ernüchternd gewesen sei. «Das Fazit lautete: keine Variante ist eindeutig besser als der Bestand», erinnerte Giella. Seither sei klar, dass eine Verkehrsentlastung des Gossauer Zentrums nicht über neue Strassen erfolgen werde: «Wir müssen mit Verkehrsmanagementmassnahmen versuchen, das Verkehrswachstum zu bewältigen.» Dazu diene das Gesamtverkehrskonzept. Die Spange West sei in der damaligen Zweckmässigkeitsbeurteilung der Zentrumsentlastung nicht geprüft worden, weil sie eben nicht das Zentrum entlaste. Diese Prüfung habe man nun nachgeholt. Dann folgte der eingangs erwähnte, ernüchternde Verweis auf den Planungshorizont.
Das Mitwirkungsverfahren läuft bis am 5. März. Die Projektunterlagen sind auf der Mitwirkungsplattform des Kantons zu finden. Dort können sich Interessierte auch vernehmen lassen.
Von Tobias Baumann
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