Florian Kobler
sorgt sich um den Mangel an altersgerechten Wohnungen im Kanton.
Von links: Ivo Nussmüller und Ralf Frauenfelder (Stadtwerke Gossau), Stadtpräsident Wolfgang Giella, Claudia Martin (Departementsvorsteherin Versorgung Sicherheit), Sven Erne-Bedford (Stadtwerke Gossau), Susanne Scheiwiller (Geologiebüro Lienert & Haering AG), Thomas Kündig (Ingenieurbüro Bau Haas AG) und Michael Ammann (Stadtwerke Gossau). z.V.g.
Vergangene Woche luden die Stadtwerke zum Spatenstich für den Tiefenbrunnen Mooswies. Dieser fördert Grundwasser in grosser Tiefe und soll die Trinkwasserversorgung in Gossau so resilienter für zunehmende Trockenperioden machen.
Mooswies «Für uns ist die Tiefenbohrung ein Jahrhundertprojekt und die Umsetzung eines solchen Projekts nicht Alltag», erklärt Michael Ammann, Leiter Netze bei den Stadtwerken Gossau. Darum hätten sich die Stadtwerke auch externe Unterstützung geholt – einerseits in der Projektleitung und dem Anlagenengineering, anderseits durch Geologen beim Brunnenbau. Für den neuen Tiefenbrunnen wird das bestehende Pumpwerk Mooswies erweitert. Geplant ist ein Anbau mit einem neuen Rohrkeller sowie einem Zwischenbehälter zur Sauerstoffanreicherung des Rohwassers. Die Aufbereitung erfolgt mittels UV-Anlage, bevor das Wasser direkt ins Versorgungsnetz eingespeist wird. Zwei Hochdruckpumpen sorgen für Redundanz und Betriebssicherheit. Der Brunnenbau sei aufwändiger, da 50 Meter tief gegraben werden muss. Auch koste die Förderung mehr als bei höher liegenden Grundwasserquellen. «Das Wasser muss diese 50 Meter überwinden. Die Pumpleistung ist entsprechend etwas höher und somit steigen die Stromkosten im Vergleich zum oberen Pumpwerk», so Ammann. Das neue Pumpwerk wird die vier bisherigen Grundwasserpumpwerke Heimat, Mooswies, Schwimmbad II und Gereschtwil ergänzen. Diese liefern pro Jahr je rund 130'000 bis 500'000 Kubikmeter Grundwasser. Für den neuen Tiefenbrunnen haben die hydrogeologischen Abklärungen in der Probebohrung ebenfalls eine mögliche Grundwasserförderung von 500'000 Kubikmeter pro Jahr ergeben.
Der Anteil der Quellen an der Gesamtversorgung variiere von Jahr zu Jahr. «Aber die Grundwasserpumpwerke liefern ca. 60 bis 75 Prozent des Gossauer Wasserbedarfs. 15 bis 30 Prozent stammen aus den Quellen. Der Rest ist Fremdwasser aus dem Bodensee und von Herisau», erklärt der Leiter Netze. Die neue Quelle soll deutlich weniger stark auf Trockenperioden reagieren, da sie in 50 Meter Tiefe liegt. Wie lange die Tiefenquelle bei einer langanhaltenden Trockenheit ergiebig bleibt, lässt sich gemäss Ammann noch nicht sagen: «Wir gehen davon aus, dass die Ergiebigkeit dieser Wasserressource sehr gross ist. Mit abschliessender Sicherheit lässt sich das aber nicht sagen. Das liegt halt im Wesen der Geologie.» Aufgrund des Pumpversuchs im Jahr 2021 gingen die Stadtwerke aber davon aus, dass der Tiefenbrunnen nachhaltig mit grosser Förderleistung betrieben werden könne – «genauere Aussagen dazu können aber erst nach den ersten Betriebsjahren gemacht werden». Keine Verbindung besteht zwischen der Wassermenge des oberen und des unteren Grundwasserleiters in der Mooswies, wie Ammann erklärt: «Die beiden Grundwasserentnahmen sind, obwohl sie geografisch sehr nahe beisammen liegen, durch die mächtige Zwischenschicht als komplett voneinander unabhängige Ressourcen zu betrachten.»
Wie viel Wasser aus der Quelle schliesslich gefördert werden darf, hängt auch von der Konzession ab, welche die Stadtwerke beim kantonalen Bau- und Umweltdepartement einholen müssen. «Bis im Frühling 2026 führen wir nach erfolgtem Brunnenbau den Langzeitpumpbetrieb weiter. Dieser Betrieb liefert dann die Basis für das Konzessionsgesuch an den Kanton», sagt dazu Ammann. Der neue Tiefenbrunnen werde die Trinkwasserversorgung in Gossau auf jeden Fall stärken. «Die Trinkwasserversorgung ist bildlich gesprochen mit einem Spinnennetz zu vergleichen. Je mehr Fäden dieses halten, desto stabiler ist es. Bei der Trinkwasserversorgung ist es genauso: Je mehr unterschiedliche und voneinander unabhängige Ressourcen bewirtschaftet werden können, desto stabiler und resilienter ist die Trinkwasserversorgung», stellt Ammann fest. Die Bauphase für den Tiefenbrunnen und den Ausbau des Pumpwerks dauert rund eineinhalb Jahre und soll im Sommer 2027 abgeschlossen sein. Die Investitionskosten für den Bau des Tiefenbrunnens und den Ausbau des Pumpwerks belaufen sich auf knapp 1,5 Mio. Franken und werden vollständig von den Stadtwerken getragen.
Von Tobias Baumann
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