Mathias Gabathuler
hat Gespräche zum Sportpark Gründenmoos wieder aufgenommen.
Hester Ryffel (l.) übergab das Amt der Präsidentin an Sandra Weiler. z.V.g.
Seit Kurzem hat die Frauenzentrale Appenzellerland eine neue Präsidentin. Sandra Weiler, ursprünglich aus Herisau, hat das Amt von Hester Ryffel übernommen.
Präsidium «Ich habe die Frauenzentrale seit Jahren als engagierten, verlässlichen und vielseitigen Verein wahrgenommen und ich bewundere die Arbeit, die über viele Jahre mit viel Herzblut geleistet wurde. Was diese Frauen für uns erreicht haben, verdient tiefen Respekt», sagt Sandra Weiler. Gerade weil sie so viel Wertschätzung für diese Arbeit empfindet, hat sie gespürt: Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, Verantwortung zu übernehmen und ihre Erfahrung einzubringen. «Mir ist es ein grosses Anliegen, die Frauenzentrale als Plattform für Frauen aller Generationen zu stärken. Themen wie Chancengleichheit, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, die Chancen und Risiken der Digitalisierung sowie die aktive Mitwirkung von Frauen in Vereinen, politischen Ämtern und Führungspositionen stehen für mich im Zentrum», sagt Weiler. Es brauche unbedingt Räume, die Frauen ermutigen, Verantwortung zu übernehmen, sich einzubringen und ihre Stimme wirkungsvoll einzusetzen – in der Gesellschaft, in der Politik und in der Wirtschaft. 1929 wurde die Frauenzentrale ein Jahr nach der ersten Schweizerischen Ausstellung für Frauenarbeit (SAFFA) in Bern von Clara Nef gegründet. Nef nutzte die Gewinnausschüttung aus dieser Ausstellung an die Kantone, um die Frauenzentrale zu gründen. Weiler ist die zehnte Präsidentin der Frauenzentrale. «Für mich ist die Frauenzentrale ein Ort, an dem Frauen gesehen, gehört und gestärkt werden, unabhängig von Herkunft, Alter oder Lebenssituation», so Weiler.
Sie bilde eine Brücke zwischen sozialen Anliegen und politischem Engagement. Gerade in einer Zeit, in der Gleichstellung oft als «erreicht» betrachtet werde, brauche es Orte wie diesen. «Orte, die genau hinschauen, Erreichtes bewahren und weitere Fortschritte ermöglichen. Ich bin überzeugt: Es braucht uns! Gerade wenn die gesellschaftliche Lage von vielen Unsicherheiten geprägt ist wie jetzt», ist Weiler überzeugt.
Die 51-jährige gebürtige Herisauerin trat vor einem Jahr in den Vorstand der Frauenzentrale ein. Die zweifache Mutter absolvierte ursprünglich eine Lehre als Bäckerin-Konditorin und arbeitete später als Grenzwächterin. In leitender Position war sie im Asylzentrum Appenzell tätig, bevor sie sich weiterbildete und heute als stellvertretende Leiterin Hotellerie im Haus Vorderdorf in Trogen arbeitet. Wohnhaft in Wienacht-Tobel, engagiert sie sich parteilos im Kantonsrat. Wie prägt der berufliche und politische Hintergrund Weilers Sicht auf die Arbeit in der Frauenzentrale? «Ich bringe Führungserfahrung und Vernetzung mit. Gleichzeitig habe ich durch meine beruflichen Stationen gelernt, zuzuhören, Bedürfnisse zu erkennen und pragmatisch Lösungen zu finden. Ich weiss, wie wichtig ehrenamtliches Engagement ist und dass es Räume braucht, in denen dieses Engagement wachsen darf», so Weiler
Sie wünscht sich, dass sich jede Frau in der Frauenzentrale willkommen fühlt – egal ob politisch aktiv, beruflich eingespannt, alleinerziehend oder neu zugezogen: «Vielfalt lebt von Sichtbarkeit. Auch wichtig ist die Zusammenarbeit mit unseren Kollektivmitgliedern im Kanton». Neue Frauen – auch jüngere – könne man für die Vereinsarbeit gewinnen, indem man offen, lebendig und flexibel bleibe. «Viele Frauen engagieren sich gerne, wenn sie spüren, dass sie mitgestalten können, ohne gleich zu viel Verantwortung auf einmal übernehmen zu müssen. Deshalb wollen wir Aufgaben auf mehrere Schultern verteilen und digitale Kommunikationswege gezielter nutzen», sagt Weiler. Vereinsarbeit dürfe und solle Freude bereiten. «Gemeinsam können wir viel bewegen. Und wir freuen uns immer über neue Ideen, Perspektiven und frischen Input», betont sie.
Im vergangenen Jahr besuchten die Frauen aus dem Vorstand diverse Netzwerktreffen, Workshops und Konferenzen. Ausserdem befassten sie sich mit Vernehmlassungen. Die Frauenzentrale organisierte zudem gemeinsam mit Ausserrhoder Bäckereien die «Brottüten-Aktion» gegen häusliche Gewalt und verlieh den «Prix Zora» an fünf Frauen, die sich in Vereinen, in der Politik und in der Kulturlandschaft einsetzen. Ausserdem veröffentlicht die Frauenzentrale jeweils zu Gesamterneuerungswahlen eine Wahlzeitung. Mit dieser Publikation werden engagierte Kandidatinnen vorgestellt. «Alle diese Aktionen zeigen: Wir sind präsent, mit Haltung, aber auch mit Herz. Es geht darum, wichtige Themen sichtbar zu machen. Für mich sind solche Aktionen ein starkes Zeichen dafür, dass Gleichstellung nicht still und leise geschieht, sondern bewusst und mutig», sagt Weiler.
Stefanie Rohner
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