Claudia Wetter
St.Galler Gerichte wollen erhöhte Geschäftslast mithilfe von IT bewältigen.
Luxusflasche aus Elfenbein (Köln, 1600).
Zur Winterausstellung der Stiftsbibliothek «Wunderkammer Stiftsbibliothek» ist ein aufschlussreiches Buch erschienen, das näher auf die kuriosen Objekte im Sammlungsbestand eingeht und viele im Bild zeigt. Damit wird deutlich gemacht, dass die Wurzeln unserer heutigen Museen auf die sogenannten Wunderkammern zurückgehen, die ab dem 16.Jahrhundert entstanden sind.
Museum Auch die Fürstäbte von St.Gallen verfügten über eine solche Wunderkammer, die weitgehend im Verborgenen blieb, weil ihre Bedeutung weit hinter den Handschriften steht. Doch es ist zu begrüssen, dass einmal auch das Licht auf diese Sammlungsbestände geworfen wird und sie nun in einem modern aufgemachten Buch für die breite Öffentlichkeit dokumentiert sind. Allerdings ist die St.Galler Wunderkammer nicht so gross wie andere, erlitt sie doch bei der Klosteraufhebung grosse Verluste, beherbergt aber auch wirklich wertvolles Kulturgut. Von gotischen Gemälden über die Münzsammlungen bis zu den ostindischen Kulturobjekten zeigen sie eine beeindruckende Vielfalt. Die «Wunderkammer» spiegelt aber auch die Museumsgeschichte wider, bei der nicht nur die wertvollen Handschriften eine Rolle spielten. Es handelt sich neben Ankäufen vorwiegend um Schenkungen.
Wie aus dem Kapitel «Ankäufe und Aufträge» von Ulrike Ganz hervor geht, werden die Kuriositäten nicht nur als Erinnerungsstückeaneinvergangenes Museumsverständnis aufbewahrt und gepflegt, sondern auch durch Ankäufe vermehrt. Es wird versucht, Objekte zurückzugewinnen, die bei der Aufhebung des Klosters in andere Hände gelangten. So wurden die vielbewunderten Einblattdrucke der Sammlung des Mönchs Gallus Kemli zurückerworben, die der Katholische Konfessionsteil 1930 angesichts der prekären Finanzlage veräusserte. Auch Kunstwerke mit Bezug zur Fürstabtei wurden in letzter Zeit gekauft. Zu den Glanzstücken der neuen Erwerbungen zählt sicher die Kopie des St.Galler Globus aus dem 16. Jahrhundert. Er ist Bestandteil der von Zürich 1712 erbeuteten Wertgegenstände, die im Rahmen einer Vereinbarung vorwiegend leihweise zurück nach St.Gallen gelangten, und verursachte somit keine Kosten.
In letzter Zeit ist der Ruf nach Abklärung der Herkunft und vereinzelt auch zur Rückkehr an den Ursprungsort unüberhörbar geworden. Viele in Museen gelangte Kulturgegenstände sind nämlich bei kriegerischen Auseinandersetzungen in fremde Hände gelangt. Wie Stiftsbiblothekar Cornel Dora im Buch bekannt gibt, haben Abklärungen ergeben, dass keine Bestände in der Stiftsbibliothek Raubgut der Nationalsozialisten oder der Kolonialisten sind. Im Fall einer spätmittelalterlichen Handschrift, die 1943 auf einer Auktion in Deutschland auftauchte, wurde aber eine Meldung an die Datenbank «Lost Art» erstattet. Gross diskutiert wurde in den letzten Jahren, ob das bekannteste Wertstück der «Wunderkammer», die ägyptische Mumie «Schepenese», Ägypten zurückgegeben werden müsste. Nach Dora hat die eingehende Prüfung ergeben, dass sie sich in Übereinstimmung mit der geltenden internationalen und nationalen Kulturgüterschutzgesetzgebung in der Stiftsbibliothek befindet und eine Restitution nach Ägypten keinen Sinn macht. Die Diskussion um das Ausmass der Rückgabe von Kulturgütern und das Ausstellen menschlicher Überreste wird jedoch weitergehen.
Natürlich kann man sich in Ergänzung zu diesen Ausführungen fragen, ob die kulturhistorischen Gegenstände der «Wunderkammer» nicht besser ins Kulturmuseum gehören. Schon ist heftig über den Standort der «Schepenese» gestritten worden. Erschwerend für eine Dislokation sind die unterschiedliche Besitzesverhältnisse, die Stiftung St.Galler Museen und der Katholische Konfessionsteil. Vorstellbar sind Leihgaben, wenn sich herausstellt, dass einzelne Kulturgüter aufgrund ihrer Bedeutung vermehrt präsentiert und nicht in Schränken verstaut werden sollten.
we(«Wunderkammer Stiftsbibliothek – Schönes und Kurioses, gestern und heute», Schwabe-Verlag, Basel)
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