Susanne Hartmann
erntet für Ihre Aussagen zum Autobahnausbau harsche Kritik.
Das neue inklusive Brettspiel des Autismusverlags St.Gallen ist für Menschen ohne Lautsprache entwickelt worden.
Ein innovatives Brettspiel soll Menschen ohne Lautsprache das Mitspielen ermöglichen – unabhängig von Alter oder Behinderung. Entwickelt vom Autismusverlag St.Gallen, richtet sich das Spiel an Menschen, die Unterstützte Kommunikation nutzen. Die Finanzierung der Erstauflage läuft über ein Crowdfunding, das bis Ende September läuft.
Inklusion Rund eine halbe Million Menschen im deutschsprachigen Raum kommunizieren nicht über gesprochene Sprache, sondern mithilfe sogenannter Unterstützter Kommunikation (UK). Dazu zählen Symbole, Gesten, Sprachcomputer und andere Hilfsmittel. Für viele von ihnen sind klassische Gesellschaftsspiele nicht oder nur schwer spielbar. Mit einem neuen Spielprojekt will der Autismusverlag in St.Gallen diese Lücke schliessen. Ein kleines Projektteam des Verlags hat ein inklusives Brettspiel entwickelt, das vollständig ohne Lautsprache funktioniert. Die Idee und das Design für das Spiel stammen von UK-Spielentwicklerin Sabine Plachta, eine Mitarbeiterin des Autismusverlags. Das Spiel kombiniert Symbolkarten nach dem METACOM-System, Audiocodes für den Anybook Pro Audiostift sowie eine strukturierte Spielmechanik mit kognitiver Unterstützung durch eine Kartenhalterung.
Das Spiel basiert auf dem bekannten Spielprinzip «Ich packe in meinen Koffer», wurde aber an den Alltag angepasst: «Ich gehe durch die Stadt und sehe…» lautet der neue Spielansatz. Ziel ist es, ein hochwertiges, regional produziertes Spiel zu schaffen, das nicht nur therapeutisch wirksam ist, sondern vor allem Freude und gemeinsames Erleben ermöglicht. Die Spielidee wurde gemeinsam mit der Zielgruppe entwickelt, richtet sich an Kinder und Erwachsene mit komplexen Behinderungen und berücksichtigt auch deren Mitspielende in Familie, Schule oder Betreuung. «Das Spiel ist nicht speziell auf Kinder ausgerichtet, sondern ist für alle Menschen, die nicht lautsprachlich kommunizieren. Das Spiel ist daher auch bewusst nicht kindlich gestaltet», so Laura Franciello (26), Kommunikationsverantwortliche beim Autismusverlag St.Gallen.
Zur Finanzierung der Erstproduktion sammelt der Autismusverlag aktuell Spenden auf der Plattform lokalhelden.ch. Das Mindestziel liegt bei 6’000 Franken, mit einem Wunschbetrag von 10’000 Franken. Bislang wurden 4'537 Franken gesammelt. Die Kampagne läuft noch bis zum 30. September. Bereits mit dem Mindestbetrag kann eine kleine Erstauflage produziert werden, die erste Spielrunden in Familien, Schulklassen oder Wohngruppen ermöglicht. Eine grössere Auflage in höherer Qualität soll mit dem Wunschbetrag realisiert werden – inklusive robuster Ausstattung für Menschen mit motorischen oder sprachlichen Einschränkungen. Produziert wird regional, teilweise in Handarbeit und unter Einsatz ökologischer Druckverfahren. «Die gespendeten Mittel fliessen direkt in die Produktions-, Entwicklungs- und Gestaltungskosten. Als Dankeschön erhalten Unterstützerinnen und Unterstützer exklusive Postkarten, Geschenke oder auch einen Spielenachmittag im Verlag», sagt Franciello.
Der Autismusverlag ist ein gemeinnütziger Verein mit Sitz in St. Gallen. Seit 2012 entwickelt er Materialien für Menschen mit Autismus und andere neurodivergente Zielgruppen – darunter Bücher, Spiele, Hilfsmittel und Unterrichtsmaterialien. Mit dem neuen Spiel will der Verlag nicht nur ein neues inklusives Produkt schaffen, sondern auch ein gesellschaftliches Zeichen setzen. «Es gibt schon Spiele für Menschen ohne Lautsprache, doch die Auswahl ist sehr klein. Das liegt auch daran, dass diese Gruppe von Menschen in unserer Gesellschaft häufig vergessen wird. Mit unserem Spiel wollen wir einen weiteren Beitrag zur Inklusion dieser Gruppe leisten», so Franciello.
Selim Jung
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