Dachse in der Stadt im Vormarsch
Der Dachs ist immer häufiger in der Stadt St. Gallen unterwegs. Der Dachsbestand hat sich innerhalb zwei Jahrzehnten in der Schweiz verdoppelt.
Der Dachs ist immer häufiger in der Stadt St. Gallen unterwegs. Der Dachsbestand hat sich innerhalb zwei Jahrzehnten in der Schweiz verdoppelt.
NachbarIn St. Gallen wird der Dachs zunehmend zum Stadtbewohner. Was früher als scheues Waldtier galt, ist heute immer häufiger mitten im Siedlungsraum unterwegs – meist unbemerkt. Denn der Dachs ist nachtaktiv und begegnet Menschen nur selten. Dennoch häufen sich in den vergangenen Jahren die Sichtungen in der Gallusstadt deutlich. Das geht aus einer Mitteilung von StadtWildTiere hervor.
Wie aktuelle Untersuchungen von SWILD und StadtWildTiere zeigen, hat sich die Zahl der Dachse in der Schweiz innerhalb der letzten 20 Jahre verdoppelt. Besonders auffällig ist die Entwicklung in Städten wie Zürich und St. Gallen: Dort melden Einwohnerinnen und Einwohner immer häufiger Beobachtungen des markanten Tieres mit der schwarz-weissen Gesichtsmaske. Auch Wildtierkameras dokumentieren die zunehmende Präsenz der Tiere im urbanen Raum. Der Dachs scheint sich gut an das Leben in der Stadt angepasst zu haben. Weil er vor allem spät nachts aktiv ist, nutzt er Zeiten, in denen der Mensch kaum unterwegs ist, gibt StadtWildTier weiter bekannt. In St. Gallen findet er in Gärten und Grünanlagen reichlich Nahrung – etwa Regenwürmer oder Engerlinge. Seine Baue legt er nicht selten in Parks, an Böschungen oder in Friedhofsanlagen an.
Die Nähe zum Menschen führt allerdings nicht nur zu faszinierenden Begegnungen, sondern vereinzelt auch zu Konflikten. So können Dachse auf Nahrungssuche Rasenflächen umgraben, Gemüsebeete plündern oder unter Gartenhäusern graben. Dennoch gilt das Tier grundsätzlich als scheu und ungefährlich.
Mirko Calderara, Wildhüter im Kreis eins, beobachtet seit einigen Jahren, dass sich Dachse vermehrt in Siedlungsgebieten zeigen. Gegenüber den St.Galler Nachrichten erklärt er, dass dafür vor allem dasNahrungsangebot verantwortlich sei. Besonders die Mai- und Junilarven in Gärten würden die Tiere anziehen. «Deshalb kamen auch vermehrt Dachsmeldungen bei uns rein. Dieses Jahr sind die Meldungen aber eher weniger geworden. Ob der Bestand aber wirklich drastisch steigt, oder er sich nur wegen des Nahrungsangebots vermehrt zeigt, ist aber fraglich.» Im Kanton St. Gallen werden Dachse grundsätzlich bejagt – allerdings fast ausschliesslich in landwirtschaftlichen Gebieten. In Wohnquartieren oder Siedlungsräumen komme dies praktisch nie vor.
Für Menschen sei der Dachs in der Regel keine Gefahr, sagt Calderara. Respekt verdiene das Tier dennoch. Der Wildhüter beschreibt den Dachs als «kleines Muskelpaket». Wer einem Tier zu nahe komme, müsse mit einer Reaktion rechnen. «Wenn man einem Dachs begegnet, er sich aufplustert, Laute von sich gibt und ihm dann dennoch zu nahe kommt, kann der Dachs dem Menschen weh tun. Ein Biss wäre vergleichbar mit einem Biss eines mittelgrossen Hundes.» Zu Zwischenfällen komme es aber selten. In all den Jahren als Wildhüter habe er noch nie erlebt, dass ein Dachs einen Menschen gebissen habe, sagt Mirko Calderara. «Der Dachs ist respekteinflössend. Deshalb kommt ihm der Mensch wohl auch nicht zu nahe.»
Von Marino Walser
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