Wegbereiter der Reformation im Appenzellerland
Von Franz Welte Jabob Schurtanner, der vor 500 Jahren 76-jährig in Teufen starb, spielte im Vorfeld der Reformation in und um St. Gallen eine wichtige Rolle.
Heute erinnert nur noch die Schurtanner Stube, ein Raum im ehemaligen Pfarrhaus Hörli, an den Reformator Teufens. Bild: pd
Von Franz Welte Jabob Schurtanner, der vor 500 Jahren 76-jährig in Teufen starb, spielte im Vorfeld der Reformation in und um St. Gallen eine wichtige Rolle.
Reformationsgeschichte Erstmals erwähnt wurde er, als er das Amt des Verwesers der Pfarrei Berg übernahm. Von 1507 bis 1525 war er Pfarrer in Teufen und führte hier 1523 die evangelische Lehre ein. Zuletzt wurde er durch den zunehmenden Einfluss der Wiedertäufer aus dem Amt gedrängt. Zuvor hatte er Vadian mit grosser Freude mitgeteilt, dass der Rat des gesamten Landes Appenzell das «reine Gotteswort» angenommen habe. Damit hatte die ländliche Obrigkeit noch vor der städtischen das sogenannte Schriftprinzip eingeführt, wonach der Glaube allein auf dem geschriebenen Wort der Bibel zu basieren habe. Dieser Schritt war für die weitere Entwicklung der Reformation in Appenzell von grosser Bedeutung. Schurtanner gehörte damit zu denjenigen Geistlichen, die die neuen reformatorischen Gedanken früh aufnahmen und in der Landgemeinde verbreiteten.
Mit Zwingli und Vadian in Kontakt
Schurtanner stand in engem Kontakt mit den Reformatoren Joachim Vadian in St. Gallen und Huldrych Zwingli in Zürich. Zwingli widmete ihm seine 1524 gedruckte Predigt «Der Hirt», weil er viel von ihm hielt und grosse Erwartungen in ihn setzte. Sie war ein wichtiger Anstoss für die appenzellische Reformation. Darin beschreibt Zwingli, wie man aus seiner Sicht wahre christliche Seelsorger von falschen unterscheidet. Zwingli entwirft darin auch das Konzept des geistlichen Wächteramtes. Der Pfarrer beziehungsweise Hirt müsse wachsam sein, Missstände ansprechen und die Gemeinde vor falschen Lehren schützen. Schurtanner entsprach in vieler Hinsicht diesem Bild eines reformatorischen Seelsorgers, der die Veränderungen nicht nur in der Theorie unterstützte, sondern sie auch in seiner Gemeinde vorantrieb. Der Austausch mit Vadian und Zwingli dürfte ihn dabei zusätzlich in seiner Haltung bestärkt haben.
Die weiteren Reformatoren
Zwingli warnte Schurtanner aber gleichzeitig zur Mässigkeit und zu nicht zu provokativem Verhalten. Zugleich warnte er ihn vor dem altgläubigen Pfarrer Diepold Huter, den er als päpstlichen Fuchs bezeichnete, den er aber «fressen» wolle wie ein Wolf. Damit zeigte sich bereits, wie angespannt die Auseinandersetzung zwischen den Anhängern der alten Lehre und den Reformierten war. Nach dem Tod Schurtanners wirkten weitere Geistliche für die Verbreitung der Reformation. Zu ihnen gehörten die Pfarrer Walter Klarer in Hundwil, Pelagius Amstein in Trogen und Mathias Kessler in Gais, die das Evangelium nach der Schrift predigten. Gais und Teufen gingen ohne Bedenken zur Reformation über und schlossen sich damit der neuen Glaubensrichtung an. Auch an anderen Orten kam es zu überraschenden Veränderungen. So predigte der Kaplan des Klosters Wonnenstein in Niederteufen unerwartet reformiert und heiratete eine Nonne. Solche Ereignisse zeigen, wie rasch sich die reformatorischen Ideen in Appenzell verbreiteten und zunehmend auch das kirchliche Leben prägten.
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