Von links: Markus Giger, Florian Kobler, Heinz Loretini und Daniel Cavelti beim Spatenstich für das Projekt Neubau Bedastrasse „Wohnen 55plus“. tb
15.08.2023 00:00
Für eine Hausgemeinschaft, in der man zueinander schaut
Spatenstich für das Projekt Neubau Bedastrasse «Wohnen 55plus»
Am Freitag lud die Genossenschaft zur Förderung des Wohnungsbaues Gossau zum Spatenstich. Auf einer Fläche von rund 4‘600 Quadratmetern entstehen zwei Mehrfamilienhäuser mit 34 Wohnungen für Personen 55plus. Das Projekt entstand auf Initiative des Vereins «Wohnen im Alter» und sieht grosse Gemeinschaftsräume vor.
Bedastrasse 41 «Nach über zehn Jahren Planung, unzähligen Gesprächen und Einsprachen, die beigelegt werden mussten, ist der heutige Tag für uns ein historischer», erklärt Florian Kobler, Präsident der Genossenschaft zur Förderung des Wohnungsbaues Gossau (GFW). Sie seien von Anfang an von der Idee begeistert gewesen, als der Verein für Wohnen im Alter damals mit der Idee für eine Wohnsiedlung für Seniorinnen und Senioren an sie herangetreten sei. «Der Verein setzt sich für selbstständiges Wohnen und gegen eine Vereinsamung im Alter ein. Das passt bestens zu den Zielen der GFW», so Kobler. Genossenschaftliches Wohnen für ältere Menschen entspreche einem Bedürfnis, das zeigten ähnliche Bestrebungen in vielen Schweizer Städten.
34 Wohnungen
In den Mehrfamilienhäusern entstehen 34 Zweieinhalb- und Dreieinhalb-Zimmer-Wohnungen. Heinz Loretini vom Verein Wohnen im Alter erklärt, was mit dem Projekt angestrebt wird: «Wir wollen eine Hausgemeinschaft, in der man zueinander schaut. Dort, wo die Leistungsfähigkeit des Einzelnen überstiegen wird, hilft die Gemeinschaft.» Eine Genossenschaft sei eine Wertegemeinschaft, in der Mehrwert für andere geschaffen werde und genau dies wolle man mit dem für Gossau neuen Angebot tun. Zum langen Planungsprozess sagt Loretini: «Gut Ding will Weile haben.»
Raum für Begegnungen
Als Zentrum der Überbauung soll ein gemeinschaftlicher Innenhof dienen, wie der St.Galler Architekt Daniel Cavelti erklärt: «Alle Wohnungen werden über Laubgänge vom Innenhof aus erschlossen.» Ausserdem sei im Erdgeschoss des einen Mehrfamilienhauses ein grosser Gemeinschaftsraum geplant – «ein Wohnzimmer mit Küche für alle». In allen vier Wohneinheiten seien ausserdem Waschcafés eingeplant, die zusätzlichen Raum für Begegnungen schaffen würden. Aber da die Wohnzimmer alle gegen aussen angeordnet würden, sei den Bewohnerinnen und Bewohnern trotzdem genügend Privatsphäre garantiert. Als Baustoff für die vier Geschosse ist Holz vorgesehen, die Energieversorgung erfolgt über Erdsonden und Photovoltaikanlage. Rund 20 Millionen Franken beträgt das Bauvolumen, verrät Kobler. Für die GFW, die bisher fünf Mehrfamilienhäuser besitzt, handle es sich um das grösste und wichtigste Projekt in ihrer Geschichte. Einen Mehrwert soll den Seniorinnen und Senioren neben den Gemeinschaftsräumen auch die Ansiedlung einer Physiotherapiepraxis bieten.
Zwei Jahre Bauzeit
Das Land an der Bedastrasse konnte die Wohnbaugenossenschaft von der Stadt Gossau erwerben, die dem Projekt stets sehr positiv gegenüber gestanden sei, wie Kobler in seiner Ansprache sagt. Eine besondere Herausforderung für den Bau stelle der hohe Grundwasserspiegel in diesem Gebiet dar, erklärt Markus Giger, Geschäftsleiter der Firma Baukom AG, die den Bau begleitet. Es müsse erst Grundwasser abgepumpt und die Bodenplatten müssten mit Pfählen gegen den Auftrieb versehen werden. «Im September werden wir mit den Tiefbau- und im November mit den Hochbauarbeiten beginnen», erzählt Giger. Erst würden die beiden Wohneinheiten im hinteren Bereich der Parzelle erstellt, danach die vorderen beiden Wohneinheiten. Man rechne mit einer Bauzeit von rund zwei Jahren, erklärt Kobler. Noch offen sei, wie hoch die Mieten ausfallen werden. «Als Genossenschaft sind wir der Kostenmiete verpflichtet. Da aber die definitiven Kosten noch nicht feststehen, können wir noch keinen Betrag nennen.» Er hoffe, dass sie im Herbst eine Aussage dazu treffen könnten.
Von Tobias Baumann