Susanne Hartmann
erntet für Ihre Aussagen zum Autobahnausbau harsche Kritik.
Grossveranstaltungen wie die UEFA Womens Euro 2025 lohnen sich für die Stadt St.Gallen auch wirtschaftlich.
Die Stadt St.Gallen ist mit Grossanlässen wie der Olma, dem OpenAir St.Gallen oder dem CSIO schweizweit bekannt als Veranstaltungsort. In diesem Jahr kamen mit der Fussball Europameisterschaft der Frauen und dem HYROX Switzerland St.Gallen zwei Grossevents hinzu, welche gar Strahlkraft über die Landesgrenzen hinaus hatten. Auch für die hiesige Wirtschft hat sich das ausgezahlt.
Eventbranche «St.Gallen hat eine hohe Kompetenz, wenn es um die Organisation von Veranstaltungen geht. Die Region um St.Gallen mit dem Alpstein und dem Drei-Länder-Eck zwischen Österreich, Liechtenstein und der Schweiz ist ein wahnsinnig gutes Biotop für Veranstaltungen. Das ist uns in St.Gallen viel zu wenig bewusst», sagt Thomas Kirchhofer, Direktor von St.Gallen-Bodensee Tourismus. Seiner Einschätzung zufolge ist die vorhandene Infrastruktur längst nicht ausgeschöpft. Aus diesem Grund haben Stadt, Kanton und die regionale Tourismusorganisation ihre Bemühungen seit knapp einem Jahr gezielt verstärkt, um zusätzliche Anlässe nach St.Gallen zu holen. Bislang wurden 40 Bewerbungen eingereicht, von denen 16 noch offen sind. Während einige Absagen bereits eingetroffen sind, stehen drei neue Veranstaltungen definitiv fest. Dazu gehören die European Cricket League im Jahr 2026, das Finalturnier der Regionalauswahlen im Handball, das zwischen 2026 und 2028 jährlich stattfinden soll, sowie ein EM-Qualispiel der Schweizer Basketball-Nationalmannschaft am 18. November dieses Jahres. «In St.Gallen werden bereits zahlreiche Veranstaltungen umgesetzt, doch wir könnten noch weit mehr tun», so Kirchhofer.
Dass sich der Aufwand, neue Veranstaltungen nach St.Gallen zu holen vor allem für das Gastgewerbe lohnt, zeigte sich dieses Jahr eindrücklich. Einer der Höhepunkte war zweifellos die Austragung von drei Spielen der UEFA Women’s Euro. Zwei davon bestritten die Waliserinnen, deren Fans sich als besonders ausgabefreudig erwiesen. Analysen der Plattform Monitoring Consumption Switzerland in Zusammenarbeit mit Worldline Schweiz AG zeigen zwar, dass die lokale Bevölkerung im fraglichen Zeitraum etwas zurückhaltender konsumierte, internationale Gäste glichen diesen Rückgang allerdings fast vollständig aus. Besonders deutlich zeigte sich dies bei britischen Besucherinnen und Besuchern, die im Gegensatz zu anderen europäischen Fans deutlich höhere Beträge ausgaben und über mehrere Tage in der Stadt verweilten. Im Vergleich zum Juli des Vorjahres stiegen während der Women’s Euro die Ausgaben in Restaurants um 101 Prozent. Ebenfalls gelohnt hat es sich für den Lebensmittelhandel. Dieser erfuhr einen Zuwachs von 39 Prozent an Einnahmen. Etwas anders sah es in der Hotellerie aus. Zwar war der Anteil an ausländischen Gästen 30 Prozent höher als im Vorjahr, der Anteil an Schweizer Hotelgästen sank jedoch um 32 Prozent. Ebenfalls wenig profitieren konnte der Non-Food-Einzelhandel. Dort wurde 18 Prozent weniger ausgegeben. «Die Belegung der Hotellerie in St.Gallen über das ganze Jahr hinweg betrachtet ist noch nicht an dem Punkt, an dem wir sie gerne hätten. Grossveranstaltungen wie die UEFA Women’s Euro oder das HYROX sind diesbezüglich besonders wichtig, weil sie internationales Publikum nach St.Gallen locken. Diese füllen uns die Hotels. Auch die Gastronomie profitiert davon», so Kirchhofer.
Ein zweiter Höhepunkt war im Februar 2025 die Austragung des HYROX Switzerland St.Gallen. Der Fitnesswettbewerb, der funktionelles Krafttraining mit Laufen und hochintensiven Intervallen verbindet, zog fast 6’000 Athletinnen und Athleten an. Viele davon kamen aus dem Ausland. «Solche internationalen Grossveranstaltungen haben eine Strahlkraft, die über die Schweiz hinausreicht. Sie sorgen für mehr Bekanntheit und machen die Stadt St.Gallen und die Region interessanter – auch für weitere Veranstaltungen», so Kirchhofer. Knapp 4’000 Teilnehmende, rund zwei Drittel, kamen aus der Schweiz. Etwa 1'200 Personen reisten aus den Schweizer Nachbarländern an, davon mehr als die Hälfte aus Deutschland. Auch aus Grossbritannien und Irland reisten die Leute zahlreich an, mit etwas mehr als 700 Teilnehmenden. Die restlichen europäischen Teilnehmenden zusammengerechnet ergaben nochmals etwas mehr als 100 Personen. Die grosse internationale Beteiligung beim zweitägigen Anlass sorgte ebenfalls für zahlreiche Hotelübernachtungen. «Sie können mir glauben, wenn ich sage, viele andere Städte hätten diesen Anlass sehr gerne ausgetragen. HYROX ist eine stark wachsende Sportart und zieht jedes Jahr noch mehr Leute an. Der Event ist ein echter Gewinn für die Stadt», so Kirchhofer. Dass die Veranstaltung auch in Zukunft ein fester Bestandteil im St.Galler Kalender sein wird, ist bereits gesichert. Im Januar 2026 wird der HYROX erneut in der Kantonalbank-Halle stattfinden, diesmal über drei Tage hinweg.
Dass Grossveranstaltungen wie die Fussball-EM oder HYROX weit über die einzelnen Eventtage hinaus positive Effekte entfalten, verdeutlichte bereits eine Studie der Universität St.Gallen von 2021. Untersucht wurde damals die wirtschaftliche Bedeutung der Olma Messen, die seit Jahrzehnten als Rückgrat des Veranstaltungsstandorts gelten. Die Analyse kam zum Schluss, dass die Geschäftstätigkeit der Olma Messen im Jahr 2019 einen Umsatz von 294 Millionen Franken generierte, davon 141 Millionen in der Stadt und Agglomeration St.Gallen. Darüber hinaus entstanden 1’350 Vollzeitstellen, die direkt oder indirekt mit den Aktivitäten verbunden waren, insbesondere in der Hotellerie, im Handel und im Gastgewerbe. Diese Ergebnisse zeigten, dass Grossanlässe nicht nur kurzfristige Impulse setzen, sondern langfristig Arbeitsplätze sichern und die Region stärken.
Selim Jung
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